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Glücklichsein

Der blog zum Podcast

Ich bin richtig: Mehr Selbstakzeptanz in den Wechseljahren

  • 3. Juli
  • 7 Min. Lesezeit
Daniela Ullrich, Host von MENOMIO Der Podcast für glückliche Wechseljahre, nachdenklicher liebevoller Blick, Bildunterschrift "Ich bin richtig"
Heute weiß ich: Ich bin richtig.

Ich bin richtig.

Es hat Jahrzehnte gedauert, bis ich diesen Satz für mich glauben konnte. Selbstakzeptanz in den Wechseljahren beginnt selten mit einer Erkenntnis. Sie beginnt mit einem Satz, den man sich selbst jahrelang verweigert hat. Ich war (für andere) immer zu irgendetwas. Zu groß. Zu laut. Zu dick. Zu wild. Zu emotional. Zu ehrgeizig. Zu viel.

Nach außen habe ich oft gesagt, mir ist egal, was andere über mich denken. Tief in mir war da nur ein Wunsch. Bitte hab mich lieb. Bitte genauso, wie ich bin.

Genau deshalb hat mich der Wechsel-Wirkung-PlauschGespräch mit Tania Söllner so berührt. Viele von euch kennen sie unter @die_clementa, Autorin, Speakerin, seit über 20 Jahren Coach. In Folge 132 vom MENOMIO Podcasts haben wir über etwas gesprochen, das die wenigsten von uns je gelernt haben: aufzuhören, für andere zu leben.

Zu laut, zu leise, nie richtig

Tania kennt das Gefühl genau. Aufgewachsen als Einzelkind in einer sehr konservativen italienischen Familie, durfte sie wenig, manchmal gar nichts. Das hat früh eine Rebellin aus ihr gemacht, mit einem Thema, das sie bis heute begleitet: Wut. Wütend, ohne genau zu wissen, worauf.

Dann kamen die Etiketten der anderen. Zu laut, sagte der eine. Nicht professionell genug, der Nächste. Zu wenig italienisch, ihr eigener Exfreund.

Nie richtig, so wie sie war.

Wenn du das kennst, bist du nicht allein damit. 70 Prozent von uns, sagt Tania, reagieren auf die Geschichten anderer mit Vergleich. Jemand erzählt dir etwas, und du denkst sofort: Das hätte ich anders gemacht. Wir identifizieren uns mit allem, statt zuzuhören.

Genau das macht Selbstakzeptanz so schwer. Wir sind es gewohnt, uns an anderen zu messen, bevor wir gefragt haben, was wir selbst wollen.

Was in der Perimenopause wirklich passiert

Tania ist 49, wird in wenigen Wochen 50, und hat mir zu Beginn unseres Gesprächs geschrieben, sie sei ja noch gar nicht in den Wechseljahren.

Ein Irrtum, den viele Frauen teilen. Bei einer gesunden Frau beginnt der hormonelle Umbau schon um die 35, unabhängig davon, ob der Zyklus noch regelmäßig ist. Die meisten spüren davon lange nichts. Mit Anfang bis Mitte 40 sind die meisten Frauen längst in der Perimenopause, ohne es zu wissen.

Wechseljahre und Menopause sind zwei verschiedene Dinge. Die Wechseljahre sind die Lebensphase, die mit dem hormonellen Umbau beginnt und danach nie mehr aufhört. Die Menopause ist ein einziger Tag, der letzte Tag deiner Periode, den du erst rückblickend erkennst, nach zwölf Monaten ohne Blutung. Danach beginnt die Postmenopause.

Dazwischen liegt die Perimenopause. Die Phase, die die meisten Frauen beschäftigt und über die am wenigsten gesprochen wird.

Hier liegt eine Chance, die selten benannt wird. Wenn das Östrogen sinkt, unser Kümmerhormon, werden viele Frauen mutiger, für sich einzustehen. Sie hinterfragen den Job, sprechen aus, was vorher unausgesprochen blieb, priorisieren sich selbst zum ersten Mal seit Jahren.


🎧 Hörtipp: Wechsel-Wirkung-Plausch mit Tania Söllner

400 Kilometer, allein


Tania war zehn Jahre in einer Beziehung, die sie weder erfüllt noch weitergebracht hat. Sie wusste es. Trotzdem hat sie sich nicht getraut, zu gehen.

Der Grund war Angst. Angst vor dem, was danach kommt. Sie hat sich sogar selbst dafür bestraft, in ihren Worten: geschieht mir gerade recht, dass ich unglücklich bin. Von 23 bis 33, in dem Alter, das bei den meisten die aufregendste Zeit ihres Lebens ist, war für Tania eine Zeit, die sie heute offen als Horrorzeit bezeichnet.

Der Wendepunkt kam aus Wut, nicht aus Mut. Eine Kollegin hat sie in eine schwierige Situation gebracht, und aus purem Frust hat Tania sich auf eine Stelle beworben, 400 Kilometer entfernt, in einer fremden Stadt. Die Zusage kam. Und mit ihr die größte Angst ihres Lebens.

Sie erinnert sich noch genau an den Moment vor der Haustür, an die Verabschiedung von ihrer Cousine, an das Wissen, jetzt allein loszugehen. Der Satz, den sie damals gesagt hat und den ihre Cousine bis heute nicht vergessen hat: Ich will nicht gehen, aber ich muss.

Sie ist gegangen. In Köln hat sie ihren Mann kennengelernt, sich selbst neu aufgestellt, und ist fünf Jahre später zurückgekehrt, verändert.

Angst ist kein Kriterium dafür, etwas nicht zu tun.

Man macht es mit der Angst. Man nimmt sie in den Arm, gibt ihr einen Namen, eine Farbe, und geht trotzdem los.


Auch beim Thema Alter zeigt sich das bei ihr. Tania hat jahrelang darunter gelitten, dass ihr Mann zehn Jahre jünger ist als sie, bis hin zu Trennungsgedanken. Der Wendepunkt kam mit einer Erkenntnis: Am Alter ändert sich nichts, egal wie sehr man sich dagegen wehrt. Entweder man findet Frieden damit, oder man verbringt den Rest seines Lebens unglücklich mit einer Zahl auf einem Blatt Papier.

Ich kenne dieses Gefühl aus eigener Erfahrung. Ein Instagram-Post von mir mit dem Satz „Ich bin 51" ging viral, und darunter sammelten sich Kommentare von Menschen, die mich mit 51 auf 60 geschätzt haben, gemeint als Beleidigung. Es hat mit mir nichts gemacht. Wer mit dem Alter anderer Menschen beleidigen will, zeigt vor allem etwas über sich selbst.


📖 MENOMIO Buchtipp: 

Buch Cover Tania Söllner Scheiß auf Yoga

Genau diese Geschichten, den Job-Wechsel, das Alter, das Ringen mit sich selbst, hat Tania in ihr Buch Scheiß auf Yoga! Und wie du auch ohne Om fliegen kannst gepackt. Kein Ratgeber mit Anleitung, sondern ihre eigene Geschichte, mit dem Humor, den sie auch im Gespräch mit mir hatte. Das Buch gibt es beispielsweise auf Amazon (das ist ein Affiliate Link und ich bekomme eine kleine Beteiligung bei deiner Bestellung) Mehr Buchtipps zum Thema Wechseljahre findest du in diesem Blogbeitrag: Die 50+ besten Buchempfehlungen



Was du diese Woche verändern kannst

Tania gibt keine komplizierten Anleitungen. Ihre Übungen sind bewusst klein.

Fünf Minuten Stein. Setz dich in deinen Garten oder auf deinen Balkon und schau dir fünf Minuten lang einen Stein an. Kein Handy, keine Gedanken an gestern oder morgen. Einen Monat lang, jeden Tag, und dann schau, was sich verändert hat.

Die Hand aufs Herz. Eine der kleinsten Übungen überhaupt, und trotzdem die, die bei mir im Alltag am meisten hängen geblieben ist. Manchmal reicht genau das, um Gefühle zuzulassen, die sonst untergehen.

Integrieren statt radieren. Wut, Angst, Ungeduld gehören zu dir. Tania hat lange versucht, ihre Wut aus ihrem Leben zu löschen. Heute nutzt sie sie auf der Bühne, als Antrieb. Nichts muss verschwinden, damit du richtig bist. Es darf nur seinen Platz bekommen.

Fang nicht mit allem gleichzeitig an. Eine Übung, einen Monat, dann schau weiter.

Selbstakzeptanz Wechseljahre


Ein Satz aus unserem Gespräch geht mir seit der Aufnahme nicht mehr aus dem Kopf.

Am Ende deines Lebens bekommst du keine Urkunde dafür, dass du dein Leben für andere gelebt hast.

Wir haben eine Aufgabe hier, sagt Tania, und die Aufgabe besteht nicht darin, andere Menschen zufriedenzustellen. Das bedeutet nicht, dass du nie wieder etwas für jemand anderen tun sollst. Es bedeutet, dass du es aus dem Herzen heraus tust und nicht aus der Angst, sonst nicht gemocht zu werden. Der Unterschied liegt im Bewusstsein. Was du nicht darfst, ist, dich dabei jedes Mal selbst zu vergessen.


Wer sich jedem recht macht, entfernt sich mit jedem Kompromiss ein Stück weiter von sich selbst. Und irgendwann spürt man sich nicht mehr.


Hier wird Tania noch deutlicher, beim Wort Selbstliebe: "Auf Instagram muss es für fast alles herhalten. Drei Tage in den Bergen, ein Buch gelesen, fertig, Selbstliebe praktiziert. Das ist keine Selbstliebe. Das ist eine Auszeit. Und eine Auszeit ist schön, aber sie ist nicht schwer.

Selbstliebe zeigt sich dann, wenn es dunkel ist. Wenn du merkst, mir geht es gerade nicht gut, und du dich trotzdem nicht zwingst, beim Umzug zu helfen. Wenn du deinem Mann sagst, stopp, ich kann nicht mehr."

Ein letzter Punkt ist ihr besonders wichtig. Der Begriff Coach ist in Deutschland nicht geschützt. Nicht jeder, der sagt, er kann helfen, kann es auch wirklich. Wer sich Unterstützung holt, in der Perimenopause, beim Selbstwert, bei allem, trägt selbst die Verantwortung, genau hinzuschauen, wer da gegenübersitzt.

FAQ – Häufig gestellte Fragen


Was bedeutet Selbstakzeptanz in den Wechseljahren?

Sich mit allem anzunehmen, was gerade da ist, auch mit den Seiten, die unbequem sind. Die Perimenopause bringt viele Frauen an den Punkt, sich zum ersten Mal seit Jahren ehrlich zu fragen, was sie selbst wollen.

Warum werden Frauen in den Wechseljahren oft mutiger? 

Das sinkende Östrogen wirkt sich auch auf unser Sozialverhalten aus. Viele Frauen berichten, dass sie in dieser Phase weniger Rücksicht auf fremde Erwartungen nehmen und klarer für sich selbst sprechen.

Ist People Pleasing ein Wechseljahre-Thema? 

Nicht ausschließlich, aber die hormonelle Umstellung macht oft sichtbar, was vorher überdeckt war. Viele Frauen erkennen erst jetzt, wie viel Energie sie jahrelang darauf verwendet haben, es allen recht zu machen.

Was unterscheidet Selbstliebe von einer Auszeit?

Eine Auszeit tut gut, ist aber nicht automatisch Selbstliebe. Selbstliebe zeigt sich in den schwierigen Momenten, wenn du dir selbst gegenüber sanft bleibst, auch wenn gerade nichts leicht ist.

Wie finde ich die richtige Unterstützung, wenn ich mich verändern möchte? 

Der Begriff Coach ist nicht geschützt. Achte auf Ausbildung, Erfahrung und darauf, ob sich die Zusammenarbeit für dich stimmig anfühlt. Bei medizinischen Fragen gehört immer eine Ärztin oder ein Arzt mit ins Boot.Richtig sein heißt nicht, perfekt zu sein

Ich bin richtig, ist kein Satz, den man einmal glaubt und dann für immer behält. Es ist eine Übung. Manche Tage gelingt sie leicht, andere Tage muss man sie sich hart erarbeiten.

Tanias Geschichte zeigt, dass der Weg dorthin selten gerade verläuft. Über Angst, über Wut, über Jahre, in denen man sich selbst verloren hat, bevor man sich wiederfindet.

Die Wechseljahre sind kein Grund, sich kleiner zu machen. Für viele Frauen sind sie genau der Moment, in dem sie zum ersten Mal wieder laut genug für sich selbst werden.

🧡 Du musst nicht warten, bis du fertig bist mit dir. Du darfst jetzt schon sagen: Ich bin richtig.Richtig sein heißt nicht, perfekt zu sein

Ich bin richtig, ist kein Satz, den man einmal glaubt und dann für immer behält. Es ist eine Übung. Manche Tage gelingt sie leicht, andere Tage muss man sie sich hart erarbeiten.

Tanias Geschichte zeigt, dass der Weg dorthin selten gerade verläuft. Über Angst, über Wut, über Jahre, in denen man sich selbst verloren hat, bevor man sich wiederfindet.

Die Wechseljahre sind kein Grund, sich kleiner zu machen. Für viele Frauen sind sie genau der Moment, in dem sie zum ersten Mal wieder laut genug für sich selbst werden.

🧡 Du musst nicht warten, bis du fertig bist mit dir. Du darfst jetzt schon sagen: Ich bin richtig.

Richtig sein heißt nicht, perfekt zu sein

Ich bin richtig, ist kein Satz, den man einmal glaubt und dann für immer behält. Es ist eine Übung. Manche Tage gelingt sie leicht, andere Tage muss man sie sich hart erarbeiten.

Tanias Geschichte zeigt, dass der Weg dorthin selten gerade verläuft. Über Angst, über Wut, über Jahre, in denen man sich selbst verloren hat, bevor man sich wiederfindet.

Die Wechseljahre sind kein Grund, sich kleiner zu machen. Für viele Frauen sind sie genau der Moment, in dem sie zum ersten Mal wieder laut genug für sich selbst werden.

🧡 Du musst nicht warten, bis du fertig bist mit dir. Du darfst jetzt schon sagen: Ich bin richtig.

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