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Neuroplastizität in den Wechseljahren: Dein Gehirn kann neue Wege lernen

  • vor 3 Tagen
  • 13 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 3 Tagen


Frau in der Lebensmitte an einer Weggabelung im Wald als Symbol für Neuroplastizität und neue Denk- und Verhaltensmuster in den Wechseljahren.
Welchen Weg wählst du? DU entscheidest. KI-generiertes BIld.

„Ich bin halt so.“

Hand aufs Herz: Wie oft hast du diesen Satz schon gesagt?

Vielleicht bist du diejenige, die sofort Ja sagt, obwohl sie eigentlich Nein meint. Die sich für alles verantwortlich fühlt. Die unglaublich streng mit sich selbst ist. Oder die bei einer neuen Idee schon im ersten Moment denkt: „Das schaffe ich sowieso nicht.“


Und dann kommen die Wechseljahre.


Plötzlich gesellen sich womöglich Brain Fog, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisprobleme, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit oder eine völlig ungewohnte Müdigkeit dazu. Dinge, die früher selbstverständlich funktioniert haben, fühlen sich auf einmal mühsamer an.

Und unser Gehirn?

Das liefert uns dazu gerne sofort die passende Geschichte:

„Jetzt werde ich eben alt.“ „Ab jetzt geht es bergab.“ „So bin ich eben.“

Aber was, wenn das nicht die ganze Wahrheit ist?

Was, wenn dein Gehirn vieles nicht deshalb macht, weil du unveränderbar „so bist“ – sondern weil es bestimmte Gedanken, Reaktionen und Verhaltensweisen über viele Jahre einfach verdammt gut gelernt hat?

Und noch spannender:

Was, wenn dein Gehirn auch etwas Neues lernen kann?


Genau hier kommt Neuroplastizität ins Spiel.

Und ich finde: Gerade in den Wechseljahren ist das eine ziemlich großartige Nachricht. Neuroplastizität in den Wechseljahren ist für mich deshalb so spannend, weil sie zeigt: Auch in dieser Lebensphase ist Veränderung möglich – unser Gehirn kann neue Wege lernen.


MENOMIO Host Daniela Ullrich und Gast Dr. Evelyn Popp-Hadalin lachen in die Kamera während einer Podcast Aufnahme.
Daniela Ullrich mit Dr. Evelyn ‚Eve‘ Popp-Hadalin, Gründerin der Akademie für Neuromentaltraining

Genau darüber spreche ich in MENOMIO Folge 139 „Dein Gehirn in den Wechseljahren: Was du wirklich verändern kannst“ mit Dr. Evelyn „Eve“ Popp-Hadalin, Gründerin der Akademie für Neuromentaltraining.

Eve war übrigens nicht nur mein Podcastgast.


Sie war auch meine Lehrerin.

Denn das Thema hat mich so fasziniert, dass ich selbst die Ausbildung zur Neuromentaltrainerin bei ihr absolviert habe.


Und dieses Wissen hat mir auf einer ganz neuen Ebene geholfen, mich selbst, meine Reaktionen und meine eingefahrenen Muster besser zu verstehen.

Aber dazu später mehr.

Das Wichtigste in Kürze

  • Neuroplastizität beschreibt die Fähigkeit unseres Gehirns, sich durch Lernen, Erfahrungen und Wiederholung anzupassen und zu verändern.

  • Auch ein erwachsenes Gehirn bleibt lernfähig.

  • Alte Denk- und Verhaltensmuster verschwinden nicht einfach. Wir können aber neue Reaktionen und Gewohnheiten aufbauen und stärken.

  • Wissen und Willenskraft alleine reichen dafür oft nicht. Unser Gehirn braucht konkrete neue Erfahrungen.

  • Hitzewallungen, Schlafstörungen, Brain Fog, Stimmungsschwankungen und andere Wechseljahresbeschwerden sind real und keine Folge „falscher Gedanken“.

  • Wir können körperliche Symptome nicht einfach wegdenken. Wir können aber beeinflussen, wie wir mit Veränderungen, Stress und unseren eigenen Gedanken umgehen.

  • Gerade die Lebensmitte kann ein guter Zeitpunkt sein, alte Glaubenssätze, Rollen und Gewohnheiten zu hinterfragen.

  • Veränderung muss nicht riesig beginnen. Manchmal beginnt sie mit einem einzigen Satz, den du beim nächsten Mal anders sagst.

Inhaltsverzeichnis

1. Was ist Neuroplastizität?

Neuroplastizität klingt zunächst nach einem Begriff, für den man mindestens drei Semester Neurowissenschaft studiert haben sollte. Ist aber eigentlich ganz einfach.

Neuroplastizität bedeutet, dass sich unser Gehirn durch Erfahrungen, Lernen und Wiederholung verändern und anpassen kann.

Auch das erwachsene Gehirn ist also kein fertig verkabeltes System, bei dem irgendwann jemand den Deckel zugeschraubt hat. Unser Gehirn lernt weiter.

Wenn wir Neues ausprobieren.

Wenn wir Fähigkeiten trainieren.

Wenn wir Erfahrungen wiederholen.

Wenn wir anders reagieren als bisher.

Wenn wir Gewohnheiten verändern.

Oder wenn wir beginnen, vertraute Gedanken nicht mehr automatisch für die Wahrheit zu halten.


Das bedeutet natürlich nicht: Denk dreimal positiv und schon ist dein Gehirn komplett umgebaut. So funktioniert Neuroplastizität nicht. Aber sie bedeutet:

Veränderung ist grundsätzlich möglich.

Und genau das finde ich so kraftvoll.

2. Dein Gehirn liebt bekannte Wege

Eve verwendet im Gespräch ein Bild, das Neuroplastizität wunderbar verständlich macht:

Stell dir dein Gehirn wie einen Wald vor.

Durch diesen Wald führt ein Weg, den du seit 20, 30 oder vielleicht 40 Jahren gehst. Der Boden ist festgetreten, jede Kurve ist dir vertraut und wahrscheinlich würdest du diesen Weg sogar im Dunkeln finden. So ähnlich funktionieren viele unserer automatischen Denk- und Verhaltensmuster.

Vielleicht heißt einer deiner Wege:

„Wenn jemand meine Hilfe braucht, sage ich Ja.“

Oder:

„Ich muss alles alleine schaffen.“

Vielleicht kennst du auch:

„Ich darf keine Schwäche zeigen.“

„Ich bin nicht sportlich.“

„Ich bin eben keine selbstbewusste Frau.“

„Ich muss funktionieren.“

„Ich darf niemanden enttäuschen.“

„Dafür bin ich schon zu alt.“

Je häufiger wir einen Gedanken denken oder ein bestimmtes Verhalten wiederholen, desto vertrauter wird dieser Weg. Möchtest du plötzlich anders reagieren, entsteht allerdings nicht über Nacht eine neue sechsspurige Autobahn.

Der neue Weg ist am Anfang eher ein kleiner Trampelpfad.

Gehst du ihn einmal und danach wieder zehnmal den alten Weg, wird dein Gehirn bei der nächsten Gelegenheit sehr wahrscheinlich sagen:

„Komm. Hier entlang. Diesen Weg kennen wir.“


Neuroplastizität in den Wechseljahren – alter Waldweg und neuer Trampelpfad als Symbol für neue Denk- und Verhaltensmuster.
Neuroplastizität macht Veränderung möglich: Unser Gehirn kann auch im Erwachsenenalter neue Denk- und Verhaltenswege lernen. Hinweis: Dieses Bild ist KI generiert

Neuroplastizität ist deshalb, wie Eve im Gespräch sagt, kein „biologischer Radiergummi“.

Alte Muster werden nicht gelöscht, nur weil wir sie erkannt haben.

Aber: Wir können neue Wege aufbauen.

Durch neue Erfahrungen.

Durch Wiederholung.

Durch Übung.

Und vielleicht hilft dir dabei dieser Satz aus meinem Gespräch mit Eve:

„Ein Gedanke ist ein Vorschlag von unserem Gehirn. Es ist keine Anweisung, der wir folgen müssen.“

Lies den ruhig noch einmal.

Denn „Ich schaffe das nicht“ ist zunächst einmal ein Gedanke.

Keine amtlich beglaubigte Vorhersage deiner Zukunft.

3. Warum Wissen und Willenskraft oft nicht reichen

Wir Menschen wissen unglaublich viel darüber, was uns eigentlich guttun würde.

Wir wissen, dass Schlaf wichtig ist.

Dass Bewegung unserem Körper guttut.

Dass permanente Überforderung keine besonders brillante Lebensstrategie ist.

Dass Pausen notwendig wären.

Und vielleicht weißt du sogar ganz genau:

Beim nächsten Mal sage ich Nein.


Dann kommt das nächste Mal. Jemand fragt. Und du hörst dich sagen:

„Ja klar, mache ich.“

Kennst du?


Eve bezeichnet uns Menschen deshalb sehr treffend als: „Wissensriesen und Umsetzungszwerge.“

Denn etwas zu wissen und tatsächlich anders zu handeln, sind zwei verschiedene Dinge.

Gerade wenn wir müde, gestresst oder emotional aufgewühlt sind, haben unsere vertrauten Muster einen enormen Vorsprung. Oder, um eines meiner Lieblingszitate von Eve zu verwenden:

Die Willenskraft muss erst die Schuhe anziehen, während das alte Muster schon im Türrahmen steht.

Deshalb finde ich auch Sätze wie „Wenn du es wirklich willst, schaffst du es“ schwierig.

Denn wenn es nicht funktioniert, folgt schnell der nächste Gedanke:

„Ich bin eben nicht diszipliniert genug.“

„Ich bin zu schwach.“

„Ich kriege es schon wieder nicht hin.“


Dabei hatten viele unserer heutigen Verhaltensweisen irgendwann sogar einen Sinn. Perfektionismus konnte vor Kritik schützen. Anpassung konnte Konflikte vermeiden. Ständiges Helfen konnte Zugehörigkeit sichern. Niemals Schwäche zu zeigen, konnte sich nach Stärke und Sicherheit anfühlen.

Unser Gehirn hat gelernt:

Dieses Verhalten funktioniert.


Nur weil ein Muster früher hilfreich war, muss es heute allerdings noch lange nicht das beste für dich sein.

Und genau da beginnt Veränderung.

4. Die vier B: So unterbrichst du automatische Gedanken

Eine der praktischsten Methoden aus meinem Gespräch mit Eve sind ihre vier B:

Bemerken. Befragen. Brücke bauen. Bewegen.

Nehmen wir einen Gedanken, den wahrscheinlich sehr viele von uns kennen:

„Das schaffe ich nicht.“

1. Bemerken

Statt sofort in den Gedanken einzusteigen, sagst du:

„Ich bemerke gerade den Gedanken, dass ich das nicht schaffe.“

Sprachlich ist der Unterschied klein.

Für deine Perspektive ist er ziemlich groß.

Denn plötzlich bist du nicht mehr dieser Gedanke.

Du bemerkst ihn. 2. Befragen

Jetzt darfst du neugierig werden: Ist das wirklich eine Tatsache? Oder eine Befürchtung? Eine alte Erfahrung? Eine Schlussfolgerung, die du schon so lange mit dir herumträgst, dass sie sich inzwischen wie eine Tatsache anfühlt?

Nur weil etwas früher nicht funktioniert hat, bedeutet das schließlich nicht automatisch, dass es heute wieder genauso ausgehen muss.

3. Brücke bauen

Und jetzt bitte kein rosarotes:

„Ich kann alles!“

Wenn dein Gehirn darauf nur trocken mit „Ja, eh“ reagiert, haben wir nicht viel gewonnen.

Ein neuer Gedanke sollte glaubwürdig sein.

Zum Beispiel:

„Ich weiß noch nicht, ob mir das gelingt. Aber ich kann den ersten Schritt ausprobieren.“

Oder:

„Ich muss jetzt noch keine endgültige Entscheidung treffen.“

Oder:

„Vielleicht gibt es eine Möglichkeit, die ich bisher noch nicht gesehen habe.“

4. Bewegen

Jetzt kommt der entscheidende Punkt: Du machst eine neue Erfahrung.

Du schreibst die E-Mail.

Du gehst zehn Minuten spazieren.

Du sprichst bei einer kleinen Sache erstmals eine Grenze aus.

Du bittest um Unterstützung.

Du entscheidest nicht sofort.

Du probierst etwas aus, das du dir bisher nicht zugetraut hast.

Der Schritt muss nicht spektakulär sein. Er muss nur konkret genug sein, dass du ihn tatsächlich gehst. Denn genau dort passiert etwas Entscheidendes:

Aus Wissen wird Erfahrung.

Und Erfahrungen sind das Material, aus dem dein Gehirn neue Wege baut.

nfografik zu den 4 B der Neuroplastizität: Bemerken, Befragen, Brücke bauen und Bewegen als Schritte, um automatische Gedanken und alte Verhaltensmuster zu verändern.
Die 4 B: So entstehen neue Wege im Denken. Hinweis: KI generiertes Bild

💡 MENOMIO-Tipp:

Wenn dich genau dieser Zusammenhang zwischen Gehirn, Gedanken und Verhalten fasziniert: Ich habe selbst die Ausbildung zur Neuromentaltrainerin bei Eve Popp-Hadalin absolviert. Weiter unten im Artikel erzähle ich dir, was ich daraus für mich mitgenommen habe – und wie du dir die Ausbildung mit dem MENOMIO-Vorteil selbst ansehen kannst.

5. Neuroplastizität in den Wechseljahren: Was verändert sich im Gehirn?

Eine ganze Menge.

Gleichzeitig möchte ich hier etwas sehr klar sagen:

Hitzewallungen, Nacht- und Schweißausbrüche, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen, Angstzustände, depressive Verstimmungen, Reizbarkeit, Brain Fog, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedächtnisprobleme, Müdigkeit oder Herzklopfen entstehen nicht, weil du „falsch denkst“.


Die hormonellen Veränderungen während der Wechseljahre sind real.

Auch subjektiv wahrgenommene kognitive Veränderungen wie Brain Fog werden während der Perimenopause und Menopause beschrieben.


Wenn du also mitten im Satz plötzlich nach einem vertrauten Wort suchst, zum dritten Mal deinen Schlüssel verlegst oder nach einer schlechten Nacht das Gefühl hast, dein Kopf bestehe aus Watte:

Du bildest dir das nicht ein.


Auf MENOMIO findest du dazu den ausführlichen Beitrag „Vergesslichkeit in den Wechseljahren: Harmlos oder Grund zur Sorge?“ – dort geht es gezielt um Brain Fog, Konzentrationsprobleme und Gedächtnisveränderungen.

Auch wenn du noch ganz am Anfang stehst und dich fragst, ob Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen oder eine unregelmäßige Menstruation überhaupt mit den Wechseljahren zusammenhängen können, empfehle ich dir unseren MENOMIO-Beitrag „Was passiert in den Wechseljahren?“.


Aber zurück zur Neuroplastizität.

Spannend wird es an der Frage:

Was macht mein Gehirn zusätzlich aus dem, was gerade passiert?

6. Die zwei Wellen: Erst kommt das Symptom – dann unsere Geschichte dazu

Eve spricht im Podcast von zwei Wellen.

Und dieses Bild ist bei mir hängen geblieben. Die erste Welle ist das, was körperlich passiert.

Eine Hitzewallung. Eine schlaflose Nacht. Brain Fog. Herzklopfen. Erschöpfung.

Dann folgt bei vielen von uns sehr schnell die zweite Welle:

Unsere Bewertung.

„Mein Körper lässt mich im Stich.“

„Ich verliere die Kontrolle.“

„Jetzt geht es nur noch bergab.“

„Das bleibt bestimmt für immer so.“


Diese zweite Welle kann zusätzliche Angst, Stress, Anspannung oder Hilflosigkeit erzeugen.


Ganz wichtig: Das bedeutet nicht, dass du eine Hitzewallung mit positiven Gedanken wegtrainieren kannst.

Es bedeutet nicht, dass Schlafstörungen „Kopfsache“ sind.

Und es bedeutet auch nicht, dass hormonelle Veränderungen verschwinden, wenn du nur die richtige Einstellung hast.


Nein.

Unser Handlungsspielraum liegt an einer anderen Stelle:

Wir können lernen, wie wir mit dem umgehen, was gerade passiert.

Frau zwischen 40 und 55 Jahren in einem ruhigen Alltagsszenario, ergänzt durch zwei Wellen mit den Aussagen „Was passiert“ und „Was ich darüber denke“.
Was passiert, ist die eine Welle. Was wir darüber denken, die andere. Beides beeinflusst, wie wir eine Situation erleben. Hinweis. KI-genriertes Bild

Und genau deshalb halte ich nichts von toxischer Positivität.

Wenn du seit Wochen kaum schläfst, nachts schweißgebadet aufwachst, dich erschöpft fühlst und nebenbei Stimmungsschwankungen jonglierst, brauchst du keinen Spruch wie:

„Du musst die Wechseljahre einfach als Geschenk sehen.“

Nein.

Eine hilfreiche innere Sprache darf ehrlich sein:

„Diese Phase fordert mich gerade.

Meine Beschwerden sind real.

Ich darf mir Hilfe holen.

Und gleichzeitig kann ich darauf achten, wie ich mit mir selbst spreche.“


Eve hat dafür einen großartigen Maßstab:

Ein hilfreicher Satz sollte auch um drei Uhr morgens nach einer wirklich miesen Nacht noch glaubwürdig sein.

Nicht schönreden.

Nicht wegdenken.

Sondern handlungsfähig bleiben.

7. Glaubenssätze: Welche Brille trägst du?

„Ich bin nicht gut genug.“

„Ich muss funktionieren.“

„Ich darf niemanden enttäuschen.“

„Ich muss alles alleine schaffen.“

„Ich darf keine Schwäche zeigen.“


Solche tief gelernten Überzeugungen werden oft als Glaubenssätze bezeichnet.

Eve vergleicht sie mit einer Brille.


Trägst du die Brille „Ich bin nicht gut genug“, passiert etwas Spannendes:

Kritik fällt dir sofort auf. Ein Lob erklärst du mit Höflichkeit. Erfolg war Glück.

Und wenn etwas schiefläuft, meldet sich dein Gehirn:

„Na bitte. Hab ich's doch gewusst.“


So entsteht nach und nach der Eindruck, die Welt würde unseren Glaubenssatz permanent bestätigen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb:

Ist das wirklich eine Tatsache – oder ist es ein Satz, den ich schon so häufig gedacht habe, dass er sich inzwischen wie eine Tatsache anfühlt?


Uff.

Ja.

Mich erwischen solche Fragen auch.

Und gerade in der Perimenopause können sie plötzlich erstaunlich laut werden.

8. Warum die Wechseljahre alte Muster sichtbar machen

In den Wechseljahren treffen häufig Biologie und Biografie aufeinander.

Der Körper verändert sich. Und gleichzeitig verändert sich das Leben.

Kinder werden selbstständiger. Eltern werden älter. Beziehungen verändern sich. Der Beruf wird hinterfragt. Prioritäten verschieben sich.

Vielleicht merkst du plötzlich:

Ich kann – und will – nicht mehr auf dieselbe Art funktionieren wie bisher.


Viele von uns haben jahrzehntelang sehr aufmerksam nach außen gelebt.

Was brauchen die Kinder?

Was muss im Beruf erledigt werden?

Wer braucht meine Unterstützung?

Wo muss ich einspringen?

Was erwarten andere von mir?

Darin sind wir oft verdammt gut geworden. Nur eine Frage ist dabei manchmal ziemlich weit nach hinten gerutscht:

Was brauche eigentlich ich?

Was tut mir gut?

Wie möchte ich leben?

Welche Menschen tun mir gut?

Welche Arbeit passt noch zu mir?

Welche Rollen möchte ich weiter übernehmen?

Welche nicht?

Und was mache ich eigentlich nur deshalb weiter, weil ich es seit 20 Jahren so mache?

Eine Frage aus meinem Gespräch mit Eve hat mich besonders beschäftigt:

„Was würde ich in meinem Leben anders gestalten, wenn ich mich dafür nicht rechtfertigen müsste?“

Schreib sie dir ruhig auf.

Und dann lass sie ein bisschen wirken.

Selbstbewusste Frau in der Lebensmitte blickt nach vorne und steht für Aufbruch, Freiheit und neue Perspektiven in den Wechseljahren.
Wechseljahre als Aufbruch: selbstbewusst, frei und voller Neugier. Hinweis: KI-generiertes Bild

Vielleicht ist genau das eine der Chancen dieser Lebensphase:

Nicht plötzlich ein komplett neuer Mensch werden zu müssen.

Sondern sich zu fragen:


Welche meiner alten Wege passen noch zu mir – und wo darf ein neuer entstehen?


Denn die Wechseljahre können mehr sein als körperliche Veränderung.

Sie können auch eine Einladung sein, sich selbst wieder ein bisschen wichtiger zu nehmen.

9. Was ich durch meine Ausbildung zur Neuromentaltrainerin gelernt habe

Ich habe die Ausbildung zur Neuromentaltrainerin bei Eve selbst absolviert.

Und ich bin dort nicht hingegangen, weil ich mich davor noch nie mit mir, meinen Mustern oder Persönlichkeitsentwicklung beschäftigt hätte. Im Gegenteil.


Trotzdem hat mir diese Ausbildung noch einmal einen anderen Blick auf mich selbst ermöglicht. Ich habe begonnen, genauer hinzusehen:

Warum reagiere ich in bestimmten Situationen so schnell?

Welche Muster laufen beinahe automatisch?

Welche Werte sind tatsächlich meine?

Welche Entscheidungen treffe ich bewusst?

Und wann übernimmt mein gut eingelernter Autopilot?

Ein ziemlich gutes Beispiel aus meinem eigenen Leben: Ich kann mich wahnsinnig schnell für neue Ideen begeistern.

Neue Idee?

Mega!

Machen wir!

Neues Projekt?

Bin dabei!

Und irgendwann folgt die logische Frage:

Daniela, wann genau wolltest du das eigentlich alles machen?


Daniela Ullrich mit Dr. Evelyn „Eve“ Popp-Hadalin und ihrem Diplom zur Ausbildung als Neuromentaltrainerin.
Ich mit Eve und Neuromentaltrainerin -Diplom

In der Ausbildung habe ich begonnen, an genau dieser Stelle einen neuen Weg zu üben.

Ich muss nicht sofort entscheiden. Ich darf sagen:


„Klingt spannend. Ich schlafe einmal darüber.“

Das klingt nicht nach spektakulärer Lebensveränderung. Ist es für mich aber trotzdem.

Denn ich reagiere nicht mehr ganz so automatisch. Ich schaffe einen kleinen Raum zwischen Impuls und Entscheidung.


Und genau darin steckt für mich die Faszination der Neuroplastizität:



Veränderung muss nicht mit einem großen Knall beginnen. Manchmal beginnt sie mit einem einzigen Satz, den du beim nächsten Mal anders sagst.

10. Ziele, die dein Gehirn wirklich umsetzen kann

„Ab jetzt achte ich besser auf mich.“ Klingt großartig.

Nur hat dein Gehirn am Mittwoch um 17:20 Uhr noch immer keine Ahnung, was es konkret tun soll. Eve arbeitet deshalb unter anderem mit konkreten Zielen und Wenn-Dann-Plänen.


Statt:

„Ich möchte mehr Sport machen.“

wird daraus zum Beispiel:

„Weil ich mich wieder kräftiger fühlen möchte, trainiere ich dreimal pro Woche für 30 Minuten.“

Und dann kommt die nächste entscheidende Frage:

Was mache ich, wenn etwas dazwischenkommt?

Zum Beispiel:

„Wenn ich mein Training nicht schaffe, gehe ich am Abend 15 Minuten zügig spazieren.“

Solche Wenn-Dann-Pläne werden in der Psychologie als Implementation Intentions bezeichnet.


Der große Vorteil:

In einem müden oder stressigen Moment musst du nicht erst eine komplett neue Lösung erfinden. Du hast bereits einen Plan. Und ein ausgefallener Termin bedeutet nicht automatisch:

„Jetzt ist sowieso alles egal.“

Auch ein neuer Weg darf Umleitungen haben.

11. 🎙 MENOMIO Folge 139: Dein Gehirn in den Wechseljahren

Wenn du jetzt denkst: Okay, ich möchte mehr davon wissen, dann hör unbedingt in mein gesamtes Gespräch mit Dr. Evelyn „Eve“ Popp-Hadalin hinein.

In MENOMIO Folge 139 „Dein Gehirn in den Wechseljahren: Was du wirklich verändern kannst“ sprechen wir über:

Neuroplastizität. Glaubenssätze. Willenskraft. Ziele. Komfortzone. Innere Sprache. Automatische Muster. Und darüber, warum unser Gehirn Veränderung nicht nur verstehen, sondern erleben muss.

Und ja:

An einigen Stellen hat mich Eve während unseres Gesprächs selbst ziemlich erwischt.

🎧 Hier MENOMIO Folge 139 anhören:

12.💡 MENOMIO-Tipp: Ausbildung zur Neuromentaltrainerin Werbung / Kooperation mit der Akademie für Neuromentaltraining. Ich erhalte keine Provision für deine Buchung. Ich freue mich über die Möglichkeit für dich. Ich habe die Ausbildung bei Eve selbst gemacht – und besonders die Verbindung aus Neuroplastizität, eigenen Glaubenssätzen und konkreter Umsetzung als wertvoll erlebt.

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13. Fazit: Dein Gehirn kann neue Wege lernen


Vielleicht ist „Ich bin halt so“ gar kein Endpunkt. Vielleicht bedeutet dieser Satz manchmal einfach: Mein Gehirn kennt diesen Weg verdammt gut.


Und das ist ein Unterschied.

Denn ein vertrauter Weg muss nicht der einzige sein. Du musst nicht jede Geschichte über dich weitererzählen, nur weil du sie schon seit Jahrzehnten kennst.

Du musst nicht jedes Muster behalten, nur weil es dir irgendwann einmal geholfen hat.

Und du musst nicht jeden ausgetretenen Weg weitergehen, nur weil du ihn sogar im Dunkeln findest. Dein Gehirn kann lernen. Du kannst neue Erfahrungen machen. Du kannst neue Reaktionen üben. Du kannst Gewohnheiten verändern. Du darfst Grenzen neu setzen.

Und du darfst heute anders entscheiden als vor zehn, zwanzig oder dreißig Jahren.


Vielleicht sind die Wechseljahre deshalb nicht nur eine Phase, in der sich dein Körper verändert. Vielleicht sind sie auch der perfekte Moment für eine ziemlich spannende Frage:

Wer möchte ich in der nächsten Hälfte meines Lebens eigentlich sein?


Nicht für die anderen.

Nicht weil „man“ das so macht.

Sondern für dich.

Und vielleicht beginnt dein neuer Weg heute nicht mit einer riesigen Entscheidung.

Vielleicht beginnt er nur mit einem Gedanken:

Ich bin nicht „halt so“. Ich darf ausprobieren, was noch möglich ist.


Denn die Wechseljahre sind eine Chance und kein Problem.

Vergiss nicht auf's Glücklichsein. 🩷

Quellen:

[1] Neuroplastizität im erwachsenen Gehirn Fuchs E., Flügge G. (2014): Adult neuroplasticity: more than 40 years of research. Neural Plasticity.Milbocker K. A. et al. (2024): Maintaining a Dynamic Brain: A Review of Empirical Findings Describing the Roles of Exercise, Learning, and Environmental Enrichment in Neuroplasticity from 2017–2023. Brain Plasticity.

[2] Brain Fog und kognitive Veränderungen in der Menopause Maki P. M. et al. (2024): Menopause and brain fog: how to counsel and treat midlife women. Menopause / The Menopause Society.

[3] Wenn-Dann-Pläne / Implementation Intentions Gollwitzer P. M. et al.: Forschung zu Implementation Intentions und der Verbindung zwischen Absichten und tatsächlichem Handeln.Toli A. et al. (2016): Does forming implementation intentions help people with mental health problems to achieve goals? A meta-analysis of experimental studies.

[4] Staatliche Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) Offizielle Lehrgangssuche: Neuromentaltraining Practitioner und Master, Zulassungsnummer 7558326, Veranstalter Denkräume GmbH, Salzburg.

[5] Akademie für Neuromentaltraining MENOMIO-Aktionsseite zur Online-Ausbildung mit Informationen zu Ausbildungsinhalten, Format, MENOMIO-Rabatt und Gültigkeitszeitraum.

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