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Was wirklich hilft: Nahrungsergänzung in den Wechseljahren

  • vor 6 Tagen
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Aktualisiert: vor 6 Tagen

Pflanzliche Supplements in den Wechseljahren: Rotklee, Ashwagandha, Mariendistel, Maca und Mönchspfeffer dekorativ mit Kapseln auf hellem Untergrund arrangiert.
Mit KI generiertes Bild

Rotklee, Ashwagandha, Maca, Mariendistel, Mönchspfeffer. Fünf Supplements, die gern als Meno-Wunder verkauft werden. Was steckt wirklich dahinter? Und was passiert in dieser Phase überhaupt in deinem Körper?


3 Uhr nachts. Du liegst wach, das Bettzeug weggekickt, die Hitze kommt von innen. Der Kopf surrt. Irgendwo zwischen Erschöpfung und dem leisen Gedanken: Wie lange noch?

Dann öffnest du irgendwann das Handy. Supplements-Versprechen. Alles klingt gut. Alles klingt nach Lösung.

Dieser Artikel räumt auf. Was in deinem Körper passiert, was der AMH-Wert dir wirklich sagen kann, und welche pflanzlichen Inhaltsstoffe wissenschaftliche Substanz haben. Direkt, ohne Beschönigung.


Wichtig vorab: Supplements können einzelne Beschwerden unterstützen, ersetzen aber keine gynäkologische Abklärung. Bei moderaten bis starken Hitzewallungen und Nachtschweiß ist die ärztlich begleitete Hormontherapie nach aktuellem Forschungsstand die wirksamere Option.

Was in deinem Körper passiert: mehr als "weniger Östrogen"


Lange hieß es: Östrogen fällt, Befinden wird schlechter. Das stimmt. Aber es ist längst nicht das ganze Bild.


Die Eizellreserve in den Eierstöcken erschöpft sich mit der Zeit. Östrogen sinkt deutlich ab. Der Körper reagiert mit einem starken Anstieg des Hormons FSH. Ob dieser FSH-Anstieg selbst an Veränderungen im Knochen- und Fettstoffwechsel beteiligt ist oder nur eine Begleiterscheinung, ist noch nicht abschließend geklärt. Gesichert ist: Die Knochenmasse beginnt laut SWAN-Studie schon etwa ein Jahr vor der letzten Regelblutung zu sinken, und dieser Verlust hält in den ersten Jahren danach an.


Östrogen unterstützt die Energieproduktion in den Zellen und schützt vor Zellstress. Das ist eine Vereinfachung, trifft den Kern aber gut. Fällt es weg, läuft die Energieversorgung weniger rund. Das erklärt einen Teil dessen, warum so viele Frauen in der Perimenopause über anhaltende Müdigkeit, Brain Fog und Stimmungstiefs berichten.


Einen Teil. Nicht alles lässt sich allein auf den Östrogenabfall zurückführen.


Und dann ist da noch der Blick aufs biologische Altern. Eine viel zitierte Studie aus 2016 fand: Frauen, die früher in die Menopause kommen, altern in bestimmten Messungen zellulär etwas schneller. Ein Zusammenhang, kein Beweis. Bei Frauen mit Hormontherapie war das biologische Alter in manchen Geweben im Schnitt jünger. Ein Hinweis, keine Garantie.

Wann kommt meine Menopause? Was der AMH-Wert wirklich sagt


Viele Frauen möchten früh wissen, wann es so weit ist. Für die Familienplanung. Für die mentale Vorbereitung. Oder einfach, um den eigenen Körper besser zu verstehen.

Der wichtigste Marker dafür heißt AMH, Anti-Müller-Hormon. Dieser Blutwert gibt Hinweise auf die ovarielle Reserve, also auf die Anzahl der noch angelegten Eizellen.


Was AMH nicht ist: ein Fruchtbarkeitstest. Er sagt weder aus, wie hoch deine natürliche Chance auf eine Schwangerschaft ist, noch wie gut die Eizellqualität ist. Das ist ein weit verbreitetes Missverständnis.


Für die zeitliche Einordnung liefert die SWAN-Studie mit über 1.500 Frauen belastbare Zahlen. Ist der AMH-Wert im späteren reproduktiven Alter sehr niedrig, kommt die letzte Periode mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten ein bis drei Jahren. Ist er hoch, passiert im nächsten Jahr kaum etwas.


Im Fenster von ein bis drei Jahren ist AMH recht aussagekräftig. Bei längeren Zeiträumen wird die Vorhersage deutlich unschärfer. Wer mit 35 wissen möchte, ob sie mit 48 oder 53 in die Menopause kommt, bekommt eine Spanne als Antwort, keine Jahreszahl. Genetik, Rauchen, Körpergewicht, Stress und Schwangerschaften beeinflussen den Zeitpunkt zusätzlich erheblich.


Ein einzelner AMH-Wert ist kein Orakel. Er ist aber ein guter Ausgangspunkt für das Gespräch mit deiner Gynäkologin.

Nahrungsergänzung Wechseljahre: Pflanzliche Supplements und fünf Inhaltsstoffe, ehrlich bewertet

Pflanzliche Supplements wie Rotklee, Ashwagandha, Mariendistel, Maca und Mönchspfeffer mit Kapseln auf hellem Untergrund arrangiert.
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Vorab eine Einordnung, weil die Datenlage je nach Inhaltsstoff sehr unterschiedlich ist. Rotklee ist bei Hitzewallungen vergleichsweise gut untersucht. Ashwagandha, Mariendistel, Maca und Mönchspfeffer sind interessante Kandidaten mit deutlich schwächerer Evidenz.

Ob ein Präparat wirkt, hängt von der Extraktqualität, der Dosierung, der Zielbeschwerde und den individuellen Risiken ab. Kein Supplement ersetzt die gynäkologische Beratung, vor allem nicht bei stärkeren Beschwerden.


  1 | Rotklee-Extrakt (Isoflavone) 

Rotklee enthält Phytoöstrogene, pflanzliche Verbindungen mit schwacher östrogenähnlicher Wirkung. Eine Meta-Analyse von 2021, die zwölf Studien mit rund 1.180 Frauen auswertete, fand: Standardisierte Extrakte mit mindestens 80 mg Isoflavonen pro Tag senken Hitzewallungen im Schnitt um etwa 1,7 Episoden täglich. Ein spürbarer, aber moderater Effekt. Und er lässt sich nicht auf jedes beliebige Präparat übertragen.

Auf Hormonspiegel, Knochendichte oder Herz-Kreislauf-Werte hat Rotklee kaum messbaren Einfluss.


Achtung: Bei hormonsensitiven Krebserkrankungen in der Vorgeschichte unbedingt zuerst mit der Ärztin sprechen.


Was das bedeutet: Rotklee gehört bei Hitzewallungen zu den am besten untersuchten pflanzlichen Optionen. Die Wirkung ist moderat und hängt stark von Extrakt und Dosierung ab. Tauche hier tiefer zum Thema Isoflavon ein: Hörtippp: Hitzewallungen in den Wechseljahren: Was dahintersteckt mit Kerstin Aigner


  2 | Ashwagandha (Withania somnifera) 

Ashwagandha gilt als Adaptogen: ein pflanzliches Mittel, das dem Körper helfen soll, besser mit Stress umzugehen. Kleinere randomisierte, placebokontrollierte Studien mit je 60 bis 100 Frauen über 8 bis 12 Wochen zeigten Verbesserungen bei Stimmung, Schlafqualität und perimenopausalen Beschwerden. In einer Studie stiegen die Östrogenwerte leicht an, FSH und LH sanken. Dieser Befund stammt aus einer einzigen Studie, kein gesicherter Wirkmechanismus.

Ashwagandha ist kein Phytoöstrogen. Einen echten Östrogenmangel kann es nicht ausgleichen. Das BfR hat 2024 auf potenzielle gesundheitliche Risiken hingewiesen.


Achtung: Nicht verwenden bei Schwangerschaft, Stillzeit, Leber-, Schilddrüsen- oder Autoimmunerkrankungen oder dauerhafter Medikamenteneinnahme, ohne vorher ärztlich abzuklären.


Was das bedeutet: Noch nicht abschließend bewertet. Am ehesten sinnvoll, wenn Stress, Schlaf und Stimmung im Vordergrund stehen.


  3 | Mariendistel (Silymarin) 

Mariendistel wird traditionell bei Leber und Galle eingesetzt. Für Wechseljahresbeschwerden gibt es eine randomisierte, placebokontrollierte Studie aus 2020 mit 80 Frauen: 400 mg standardisiertes Silymarin pro Tag, zwölf Wochen. Die Hitzewallungen sanken von durchschnittlich 4,3 auf 1,3 pro Tag, auch die Intensität nahm deutlich ab.

Der Wirkmechanismus bei Menopausebeschwerden ist noch nicht verstanden. Die Datenbasis ist diese eine Studie.


Was das bedeutet: Interessanter Kandidat, bei Wechseljahresbeschwerden bisher schwach belegt. Wer Mariendistel ohnehin einnimmt, kann einen Zusatznutzen im Blick behalten.


  4 | Gelbes Maca-Pulver (Lepidium meyenii) 

Kleinere Studien deuten auf Verbesserungen bei Stimmung, Angstsymptomen, Libido und sexuellen Beschwerden hin. Auf Hormonspiegel hat Maca keinen messbaren Einfluss, und für Hitzewallungen ist es nicht robust belegt. Handelsübliches gelbes Maca-Pulver ist zudem nicht automatisch mit den Präparaten gleichzusetzen, die in den Studien eingesetzt wurden.


Was das bedeutet: Am interessantesten bei Libido, Stimmung und allgemeinem Wohlbefinden. Die Datenlage ist klein und vorläufig.


  5 | Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus) 

Mönchspfeffer wirkt im Gehirn auf das Hormon Prolaktin und beeinflusst darüber indirekt den weiblichen Hormonhaushalt. Die stärkste Evidenz hat er beim prämenstruellen Syndrom (PMS) und bei perimenopausalen Zyklusstörungen. Für eine Wirkung auf Hitzewallungen und Angstsymptome gibt es Hinweise aus einer einzigen Studie. Für typische postmenopausale Beschwerden ist er nicht gut belegt.


Achtung: Ärztliche Rücksprache bei Einnahme von Dopamin-Agonisten oder -Antagonisten, Östrogenen, Antiöstrogenen und anderen hormonellen Therapien sowie bei hormonabhängigen Erkrankungen.


Was das bedeutet: Vor allem relevant in der Perimenopause, wenn Zyklusunregelmäßigkeiten im Vordergrund stehen. Hörtippp: Wechseljahre ohne Hormone - Die stärksten Helferlein aus der Natur mit Melanie Wenzel.


Das Wichtigste auf einen Blick


Die Menopause betrifft weit mehr als die Sexualhormone: Knochen, Stoffwechsel, Gehirn, Schlaf und Wohlbefinden verändern sich. Und wir verstehen davon immer mehr.


Der AMH-Wert kann im späteren reproduktiven Alter Hinweise geben, ob die Menopause in greifbarer Nähe ist oder noch in weiter Ferne. Ein exakter Vorhersagetest ist er nicht.


Bei den Supplements ist Rotklee bei Hitzewallungen am besten untersucht, zeigt aber moderate Effekte. Ashwagandha, Mariendistel, Maca und Mönchspfeffer sind interessante Kandidaten mit deutlich begrenzterer Datenlage. Kein Supplement ersetzt die gynäkologische Beratung, besonders nicht bei stärkeren Beschwerden.

Häufige Fragen (FAQ)


Kann ich mit Supplements eine Hormontherapie ersetzen?

Nein. Pflanzliche Supplements können einzelne Beschwerden lindern, aber den Östrogenmangel nicht ausgleichen. Bei moderaten bis starken Hitzewallungen ist die ärztlich begleitete Hormontherapie nach aktuellem Forschungsstand die wirksamere Option.

Rotklee-Extrakt (Isoflavone) ist unter den pflanzlichen Optionen am besten untersucht. Eine Meta-Analyse mit über 1.000 Frauen zeigte eine moderate Reduktion um etwa 1,7 Episoden pro Tag. Extraktqualität und Dosierung (mindestens 80 mg Isoflavone täglich) machen einen großen Unterschied.

Nein. AMH gibt Hinweise auf die Eizellreserve, nicht auf die Eizellqualität oder die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit. Für Fragen zur Fertilität braucht es eine umfassendere Abklärung.

Im Fenster von ein bis drei Jahren ist AMH recht aussagekräftig. Für längere Zeiträume wird die Vorhersage deutlich unschärfer. Genetik, Lebensstil und weitere Faktoren spielen eine erhebliche Rolle.

Das solltest du immer zuerst mit deiner Ärztin oder deinem Arzt besprechen. Einige Inhaltsstoffe können mit Medikamenten oder bestimmten Erkrankungen in Wechselwirkung treten.

Du bist nicht allein mit diesen Nächten. Nicht allein mit dem Gefühl, dass sich gerade vieles verändert, und dass es schwer ist zu wissen, was davon normal ist und was Aufmerksamkeit verdient.


Was hilft: informiert sein. Fragen stellen. Die eigene Gynäkologin ernst nehmen, und sich selbst auch.


Dieser Artikel ist ein Anfang. Kein Ersatz für das Gespräch, das du vielleicht schon lange führen möchtest über Nahrungsergänzung Wechseljahre.

Zur Autorin

Dr. Julia Reichel (Dr. rer. nat., Analytische Chemie) ist Expertin für Nahrungsergänzung und leitet die Produktions- und Innovationsprozesse bei Dr. Niedermaier Pharma, einem Unternehmen im Bereich Nahrungsergänzung und Kosmetik.

Dieser Artikel ist eine unbezahlte Kooperation. Produkte von Dr. Niedermaier Pharma werden im Text nicht beworben. Der Inhalt wurde redaktionell von MENOMIO geprüft und überarbeitet

Quellen

ACOG Committee Opinion No. 773 (2019): AMH in Women Not Seeking Fertility Care.

AWMF S3-Leitlinie 015-062: Peri- und Postmenopause (Konsultationsfassung 2026).

Brooks et al. (2008): Maca on psychological symptoms in postmenopausal women. Menopause.

BfR Communication 39/2024: Ashwagandha: food supplements with potential health risks.

EMA/HMPC/606742/2017: EU herbal monograph on Vitex agnus-castus.

Finkelstein et al. (2020): AMH and Impending Menopause. J Clin Endocrinol Metab.

Gopal et al. (2021): Ashwagandha root extract on climacteric symptoms. J Obstet Gynaecol Res.

Greendale et al. (2012): Bone Mineral Density Loss, SWAN. J Bone Miner Res.

Kanadys et al. (2021): Red Clover Extract and Hot Flushes. Nutrients.

Lee et al. (2011): Maca for menopausal symptoms. Maturitas.

Levine et al. (2016): Menopause accelerates biological aging. PNAS.

Liu et al. (2017): Blocking FSH induces thermogenic adipose tissue. Nature.

Mosconi et al. (2021): Menopause impacts human brain. Scientific Reports.

Naseri et al. (2019): Vitex agnus-castus vs. Placebo in menopausal symptoms. Korean J Fam Med.

Nelson et al. (2023): AMH for diagnosis and prediction of menopause. Hum Reprod Update.

NAMS (2022): Hormone Therapy Position Statement. Menopause.

NAMS (2023): Nonhormone Therapy Position Statement. Menopause.

Rettberg et al. (2014): Estrogen as master regulator of bioenergetic systems. Front Neuroendocrinol.

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Zhu et al. (2018): Extragonadal Effects of FSH on Osteoporosis and CVD. Trends Endocrinol Metab.

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